Fasten – reinigt Körper, Geist und Seele

„Wer nicht ganz gesund ist und noch nicht krank ist, dem bringt maßvolles Fasten die Gesundheit zurück. Auch die Gesunden sollen diese Kur machen, weil es ihnen die Gesundheit erhält, damit sie nicht krank werden.“ Dieses Zitat der Äbtissin Hildegard von Bingen aus dem 12. Jahrhundert hat nichts an Bedeutung eingebüßt.

Alle Religionen kennen Fastenzeiten, und auch Menschen ohne religiösen Hintergrund spüren, dass in einer Zeit des Überflusses und der ständigen Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln und Ablenkung eine Phase der inneren Einkehr und des bewussten Verzichtes guttun.

Im Zentrum der Hildegardmedizin steht „Discretio“, das richtige Maß. Jeder gesunde Mensch kann einmal pro Woche einen Fastentag einlegen oder gelegentlich eine 7-tägige Fastenkur durchführen. Dazu sollte er sich allerdings frei nehmen, da Fasten Schwerarbeit für den Körper bedeutet. Gemäßigte Entlastungstage beginnen mit einem warmen Frühstück, zum Beispiel einem Habermusbrei. Vormittags wird Kräutertee und zwei Stück Dinkelzwieback zu sich genommen, mittags sättigt eine Dinkelsuppe, am frühen Nachmittag steht Fastentee oder stark verdünnter Quittensirup auf dem Speiseplan und am späten Nachmittag nochmals Dinkelsuppe. Unterstützend werden Bürstenmassagen, Leberwickel und Ölziehen durchgeführt. Fuß- und Ganzkörperbäder fördern die Ausscheidung von Giftstoffen und stärken das Bindegewebe.

Wir beraten Sie sehr gerne zu passenden Nahrungsmitteln und Körperpflegeprodukten und bieten Literatur zu diesem umfassenden Thema an.

FASTEN NACH F.X.MAYER

Als weiterer Pionier des Fastens kann der österreichische Arzt F.X. Mayer (1875 – 1965) bezeichnet werden. Mit seiner nach ihm benannten Kur rückte sogar ein früherer bekannter deutscher Bundeskanzler seinen Pfunden erfolgreich zu Leibe. F.X. Mayer entwickelte seine Kur zur Darmsanierung, erst die moderne Wissenschaft benennt das „Leaky gut syndrome“, die löchrige Darmwand, die sich für eine Reihe von Unverträglichkeiten verantwortlich zeigt. Langsames Kauen bildet das Um und  Auf dieses Fastens, die damaligen Milch und Semmeln wurden längst durch Dinkel- oder Buchweizengebäck und Schafjoghurt ersetzt. Bittersalz dient zur Entlastung des Darmes, unterstützend wirken Basenpulver oder -kapseln, Magnesium- und Kaliumpräparate gegen Mineralstoffmangel sowie Mariendistel zur Regeneration der Leber.

INTERVALLFASTEN

Intervallfasten wird immer mehr als wichtiges Element eines gesunden Lebensstils erkannt und entspricht der Natur des Menschen seit Millionen von Jahren. Zu keiner Zeit, außer jetzt, war ein ständiges Überangebot an Nahrungsmitteln vorhanden, die dem Anstieg an Zivilisationskrankheiten wie Herzinfarkt, Diabetes und Schlaganfall Vorschub leisten. Wir unterscheiden mehrere Variationen des Intervallfastens:

10 in 2 (ausgesprochen eins null in zwei) An einem Tag wird normal gegessen, am anderen  nur Wasser oder ungesüßter Tee zu sich genommen. Sie wird auch als alternierendes Fasten oder „eat – stop – eat“ bezeichnet. Diese Form spart die meisten Kalorien ein und erzielt die größten Abnehmerfolge, ist jedoch etwas schwieriger in den Alltag zu integrieren und bedarf einiger Erfahrung.

5:2 An fünf Tagen wird normal gegessen, an 2 Tagen pro Woche die Kalorienzufuhr reduziert (Männer 600 kcal, Frauen 500 kcal). Diese Methode wird meist durchgehalten, die Abnehmerfolge dauern meist ein wenig. Sie wurde primär von Onkologen für Brustkrebspatientinnen entwiclkelt, der Fokus wurde auf kohlenhydratarme und proteinreiche Kost an den Ernährungstagen gelegt.

16:8 Diese Variante ist am einfachsten in den Alltag zu integrieren, wie die beiden obengenannten entlastet sie den Insulinspiegel, reduziert das Risiko für Diabetes Typ 2, Atherosklerose und Krebs. Nach einer 16-stündigen Nahrungskarenz, in der nur Wasser, Tee oder schwarzer Kaffee dem Körper zugeführt werden, darf innerhalb von 8 Stunden gegessen werden. Der Fokus liegt auf einer ausgewogenen, ballaststoffreichen Ernährung mit hochwertigen Fetten, Gemüse und ausreichend Eiweiß (Milchprodukte, Hülsenfrüchte). Während der Essenspausen steht dem Körper keine Glukose zur Verfügung, er holt sich Ketone aus den Fettreserven zur Energiegewinnung. Da sich diese meist im Bauchfett finden, sinkt der Risikofaktor für Herz- Kreislauferkrankungen. Weiters vermehren sich gute Darmbakterien, stille Entzündungen werden reduziert und durch Hemmung des IGF -1 verbessert sich das Hautbild. Nach 12 Stunden Nahrungskarenz setzt die Autophagie ein, in einem Recyclingprogramm baut der Körper fehlgefaltete Proteine ab und eliminiert beschädigte Zellbestandteile – Prozesse, die bei ständigem Nahrungsmittelangebot nicht gestartet werden können. Sport kann die Fettverbrennung noch zusätzlich verbessern.

Halten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt, ob er diese Methode für Sie geeignet hält, vom Interfallfasten Abstand nehmen müssen Schwangere, Stillende, Patienten mit Morbus Crohn und Essstörungen.

Wir hoffen, Ihnen einen kleinen Überblick über die verschiedenen Möglichkeiten des Fastens gegeben zu haben. Selber haben wir die eine oder andere Variante probiert und freuen uns auf einen regen Austausch!

Ihr Team der Seestadt Apotheke